Offener Brief zur Kinderbetreuungssitutation in Bamberg

Familienbeirat und Familienbeauftragte wenden sich an Stadträte und Stadtverantwortliche

am 30.06.2016


Der Familienbeirat und die Familienbeauftragte der Stadt Bamberg sehen dringenden Nachholbedarf bei Investitionen in weitere Kinderbetreuungsplätze in der Stadt und wenden sich mit einem Offenen Brief an die Bamberger Stadträte und Stadtverantwortlichen.


Sehr geehrte Damen und Herren,
die Stadt Bamberg hat in den letzten Jahren viel in die Kinderbetreuung und insbesondere in den Ausbau von Krippenplätzen investiert. Die erfreuliche Entwicklung steigender Geburtenzahlen und der vermehrte Zuzug von Familien in die Stadt Bamberg führen jedoch zu erheblichen aktuellen Engpässen bei den Betreuungsplätzen in Kinderkrippen und Kindergärten. Diese Situation wird sich angesichts der Geburtenzahlen in Bamberg und der zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Müttern in den nächsten drei Jahren deutlich verschärfen.

Derzeit leben 1.264 Kinder unter drei Jahren in Bamberg, die einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Für Kinder dieser Altersgruppe stehen 464 Plätze zur Verfügung. Rechnet man die Plätze in Kindertages- und Großtagespflege hinzu, diejenigen Kinder, die in Kinderkrippen außerhalb Bambergs betreut werden sowie diejenigen, die bereits in einem Kindergarten betreut werden, errechnet sich eine Versorgungsquote von 48 %. Diese lag vor drei Jahren schon einmal bei 52 %. Generell liegt der Bedarf bei kreisfreien Städten bei ca. 50 bis 60 %. Die Dringlichkeit des Ausbaus von Kinderkrippenplätzen in Bamberg zeigt sich auch darin, dass sämtliche Plätze belegt sind und es große Wartelisten (derzeit 183 Kinder!) gibt. Bereits heute fehlen ca. 90 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Für Kinder im Alter ab drei Jahren bis zur Schulpflicht stehen in Bamberg derzeit 1.929 Betreuungsplätze zur Verfügung. Allerdings leben 1.992 Kinder in dieser Altersgruppe in der Stadt, so dass momentan 70 Kindergartenplätze fehlen. Die Zahl dieser Kinder wird sich in den nächsten drei Jahren auf 2.196 erhöhen.
Daraus folgt, dass mindestens acht neue Kindergartengruppen benötigt werden. Im Bereich der Kindergärten ist es insbesondere für Familien, die neu nach Bamberg kommen, schwierig, Plätze zu finden. Die Plätze werden meist für die Kinder vergeben, die bereits vorher in der Kinderkrippe waren, so dass es für „Quereinsteiger“ hier schwierig ist, einen Platz zu bekommen. Der Bericht des Jugendhilfeausschusses wird auch durch die Aussagen der Mitglieder des Arbeitskreises „Familie und Beruf“ des Familienbeirates bestätigt. Sie berichten aus ihren Einrichtungen, dass Mitarbeitende den Berufseinstieg wegen fehlender Krippenplätze verschieben müssen. Ebenso hätten neu zuziehende Mitarbeitende so gut wie keine Chance, unter dem Jahr einen Kindergartenplatz für ihr Kind zu bekommen.

Diese Situation erfordert aus Sicht des Familienbeirats und der Familienbeauftragten ein energisches Handeln der Stadt. Nicht nur haben die Eltern einen Rechtsanspruch auf eine verlässliche und ausreichende Kinderbetreuung. Auch für die Entwicklung der Kinder und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit für die wirtschaftliche Prosperität einer Kommune ist eine ausreichende Kinderbetreuung unablässige Voraussetzung.
Im Interesse der Kinder und ihrer Familien müssen die entsprechenden Investitionen bei den anstehenden Haushaltsplanungen berücksichtigt werden.
Daher wenden sich der Familienbeirat und die Familienbeauftragte mit diesem offenen Brief und der Bitte an die Stadträte, die deutliche Aufwärtsentwicklung der Stadt Bamberg mit dem Ausbau der erforderlichen Kinderbetreuungsplätze zu begleiten und die finanziellen Mittel hierfür bereit zu stellen.
Mit familienfreundlichem Gruß

Dr. Franz Merdian
Vorsitzender des Familienbeirats der Stadt Bamberg
Gisela Filkorn
Familienbeauftragte der Stadt Bamberg
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