Stellungnahme zum Bebauungsplan Nr. 242F: ehem. Glaskontorgelände

Stellungnahme von FB und FBA vom 05.08.2013

am 05.08.2013

Stadtplanungsamt der Stadt Bamberg
Sachgebiet Bebauungsplanung
Untere Sandstraße 34
96049  Bamberg
 
 
               
                                                                                                              Bamberg, 05.08.2013      

Bebauungsplanverfahren Nr. 242F
für das Gebiet Kapellenstraße, Theresienstraße,
Hedwigstraße, Erlichstraße und Jägerstraße
 

Stellungnahme des Familienbeirates und der Familienbeauftragten der Stadt Bamberg
    

Sehr geehrter Herr Fischer,
mit Schreiben vom 12.07.2013  haben Sie uns unterrichtet, dass der Bau- und Werksenat der Stadt in seiner Sitzung vom 03.07.2013 das städtebauliche Konzept (Rahmenplan) zum Bebauungsplan Nr. 242F gebilligt und die Durchführung der Beteiligung der Öffentlichkeit beschlossen hat.
Als Ziele der Planung wurden genannt: „… Das städtebauliche Umfeld ist im Wesentlichen durch Wohnnutzungen geprägt, weshalb auch das Plangebiet zu einem neuen Wohngebiet mit der Maßgabe entwickelt werden soll, den sozialen Bedürfnissen Sorge zu tragen, insbesondere den Bedürfnissen von Familien, jungen, alten und behinderten Menschen. Dabei sollen unterschiedliche Wohnformen …. ermöglicht werden.“

Leider fand hierzu die Informationsveranstaltung, die für den 23.07. angekündigt war, noch nicht statt; eine Planungswerkstatt ist nun erst für den 19.08.2013 vorgesehen.
Auf Grund der Terminsetzung geben wir aber schon einmal eine erste Stellungnahme aus
unserer Sicht ab.

Beim sog. Glaskontorgelände handelt es sich um eine Toplage in der Mitte der Stadt Bamberg. Die Art und Weise der Entwicklung dieses Geländes wird in erheblichem Maße die Entwicklung des gesamten Quartiers beeinflussen. Aufgrund der stadtübergreifenden Bedeutung halten der Familienbeirat und die Familienbeauftragte es für sinnvoll, das Gebiet nicht ausschließlich nach kurzfristigen wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu entwickeln, sondern nachhaltig beste Bedingungen zu schaffen für das Zusammenleben aller Generationen und Kulturen mit einer gesunden sozialen Mischung. Dies wird sich langfristig positiv auf die kommunalen Finanzen auswirken.

Außerdem sollte das Gelände zügig entwickelt werden um die angespannte Lage auf dem Bamberger Wohnungsmarkt wenigstens teilweise zu entlasten (siehe hierzu auch Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans Wohnen lt. Sitzungsvortrag im Stadtrat vom 10.4.2013).  In diesem Sinne möchten wir im Folgenden einige Anregungen weitergeben und würden uns über eine Berücksichtigung bei der Überarbeitung des Bebauungsplanes freuen.  

- Wir begrüßen es, dass auf dem sog. Glaskontorgelände, benachbart zum Stadtteilzentrum Wunderburg, vorrangig Wohnungen für Familien vorgesehen sind (s. Planungsziel).
Familien sind heterogen; es sollten also unterschiedliche Wohnungsgrößen vorgesehen werden. Inwieweit dies der Fall ist, können wir aus den uns zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht entnehmen.
Wichtig ist ein stärkeres Miteinander der Generationen; dies ist zunehmend erforderlich, weil die Familien kleiner sind und auf Grund der Mobilität Eltern/ Kinder/ Großeltern oft nicht mehr am selben Ort wohnen. Wichtig ist es daher, verstärkt generationsübergreifende Wohn- und Nachbarschaftsformen im neuen Bebauungsplan für das Glaskontorgelände vorzusehen (s. auch das Planungsziel: „junge, alte und behinderte Menschen“).
Wohnhöfe sind ideal, um Kontakte der Generationen untereinander zu befördern, oder auch eine aufgelockerte und verschachtelte Wohnbebauung. Geschosswohnungen im Stangenformat sind hierfür eher ungeeignet.

- Wir begrüßen es, dass der Bebauungsplan zumindest einen Wohnhof vorsieht westlich der Planstraße A oberhalb der Tiefgarage. Dieser ist allerdings deutlich zu eng und sollte großzügig erweitert werden. Eine derart enge Bebauung, wie die hier vorgesehene, würde im Gegenteil eher soziale Konflikte als Kontakte befördern. 

- Von großer Bedeutung in einem Wohngebiet ist auch die soziale Mischung. Vor allem Familien mit einem durchschnittlichen oder geringeren Einkommen haben in Bamberg Schwierigkeiten, eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden. Bei der Planung dieses Wohngebietes halten wir es dafür für notwendig, bestimmte günstige Finanzierungsmodelle für Familien vorzusehen. Ebenso sollte ein Teil der Wohnungen im Sozialen Wohnungsbau realisiert werden. In jedem Fall sollte die Stadt Bamberg alle nur möglichen staatlichen Wohnraumfördergelder ausschöpfen

- Vorgesehen ist offensichtlich im Bereich der Reithalle Platz für eine Einzelhandelsnutzung.
Vorgesehen werden müsste für ein Wohngebiet mit generationenübergreifender Nutzung aber auch ein Standort für eine Sozialstation bzw. ambulante Betreuungsdienste.
 

-  Sicherlich werden in Kürze Hochrechnungen erstellt, ob die benachbarten Kindertagesstätten in der Wunderburg ausreichen für den zusätzlichen Betreuungsbedarf der neu zuziehenden Familien des Glaskontorgeländes. Dementsprechend sollten gegebenenfalls Flächen für Gemeinnutzung (z.B. für eine Kinderkrippe) vorgesehen werden.  

- Die Bebauung des gesamten Wohngebietes ist nun wesentlich dichter geplant, als in dem Entwurf, der dem Stadtrat in erster Lesung vorgelegt wurde. Das verbindende Element der unterschiedlichen Wohnquartiere in Form eines Grünstreifens wurde zugunsten weiterer Einfamilienhäuser geopfert. Der nun vorgesehene zentrale Anger kann weder von der Lage her diese Verbindung schaffen, noch ist er von der Größe her ausreichend, um einen zentralen Treffpunkt für das Wohngebiet zu ermöglichen. Die vorliegende Planung sollte unbedingt zugunsten größerer Grün- und Begegnungsflächen überarbeitet werden.        

-  Unbedingt sollte ein Areal für Spielräume/ Spielplätze/ Bolzplatz o.ä. vorgesehen werden.  Für Kinder sind solche Flächen notwendig, zumal im Stadtteil Wunderburg unseres Wissens kaum Spielplätze vorhanden sind. Der zentrale Anger ist deutlich zu klein, um die Funktionen Spielen für Kinder und Jugendliche und Treffen für alle Generationen miteinander vereinen zu können. 
 

- Damit eine Bevölkerung miteinander in Kontakt kommt, braucht es Anlässe und räumliche Angebote. In anderen (neueren) Wohngebieten gibt es einen gemeinschaftlichen Raum, der verschiedentlich genutzt werden kann (für Familienfeiern, Besprechungen, für Vereine, evt. auch für Jugendliche).  Wir regen an, einen solchen gemeinschaftlichen Raum bzw. Treffort vorzusehen.
 

- Im vorliegenden Bebauungsplanentwurf sind 4 Tiefgaragen vorgesehen. Der Bau von Tiefgaragen verursacht bekanntlich hohe Kosten. Die Ein- und Ausfahrten für 4 Tiefgaragen werden erheblichen Platz beanspruchen. Wir regen daher an, das Quartier noch konsequenter unter dem Gesichtspunkt moderner Stadtplanung „Leben und Wohnen ohne Auto“ (s. Planziel Ökologie) zu entwickeln, und schlagen vor, zwei der vorgesehenen Tiefgaragen zugunsten einer großen Quartiersgarage zu streichen, die anstelle der geplanten 5-stöckigen Wohneckbebauung an der Nürnberger Straße errichtet werden könnte. Dies wäre auch eine gute Lösung im Sinne des Lärmschutzes in Bezug auf die vorbeiführende Bahntrasse.   

- Das Wohngebiet hat zwei Hauptverbindungsstraßen (Planstrasse A und B). Ansonsten soll das Wohngebiet verkehrsberuhigt sein. Gibt es Planungen, wie es mit dem Fahrrad nutzbar ist? Gibt es neben den PKW- auch Fahrradstellplätze?
Wo sind die benachbarten Bushaltestellen und die Anbindung an den ÖPNV?
 

- In der Aufstellung eines Planes steckt vermutlich viel Überlegung, müssen viele Vorgaben berücksichtigt werden. Betrachtet man die öffentlich zugängliche Planungsskizze, so wirkt aber die Anordnung der knapp 40 Reihenhäuser und 15 Kettenhäuser eher eintönig (es fielen auch schon die Kommentare: Schuhkartons; einfallslos).  Wir plädieren dafür, eine aufgelockerte Wohnbebauung vorzusehen. Wir schlagen z.B. Bebauungen um einen gemeinsamen Innenhof vor (wobei evt. diese Bebauung durch eine Bauherrengemeinschaft vorgenommen werden könnte).
 

- Wie wird das Gebiet eigentlich energetisch versorgt? Wird z.B. Sonnenergie genutzt? Gibt es ein Blockheizwerk?

Mit freundlichen Grüßen
 

i.V.
Dr. Franz Merdian (Vors.)                                      
Elisabeth Grohberger
Cornelia Gürth
Irmgard Wördehoff
Familienbeirat der Stadt Bamberg
 

Gisela Filkorn
Familienbeauftragte der Stadt Bamberg
 





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