Bamberg auf einem guten Weg zu einer noch familienfreundlicheren Stadt

Familienbeirat der Statdt Bamberg

am 24.04.2012

Kommunale Familienpolitik hat in Bamberg einen hohen Stellenwert.

Die städtischen Ämter, die Familienbeauftragte und der Familienbeirat bemühen sich seit Jahren, unsere Stadt familienfreundlicher zu machen. Und in der Tat ist in letzter Zeit viel Positives auf den Weg gebracht worden: Man denke zum Beispiel an die organisierte Ferienbetreuung „Bamberger Ferienabenteuer“ oder die bevorstehende Eröffnung von zwei Familienstützpunkten im Stadtbereich.

Trotzdem gibt es noch viel Handlungsbedarf, um Familien das Leben in Bamberg zu erleichtern. Familienbeauftragte und Familienbeirat stellen jährlich einen Bericht zusammen, der benennt, wo es noch Schwachstellen zu verbessern gilt. Siehe hierzu www. familienbeirat-bamberg.de.

Unter anderen werden hier folgende Themen angesprochen, an denen noch gearbeitet werden sollte. Das betrifft sowohl die kommunale Ebene als auch Landes- und Bundesebene. Die Familienbeauftragte Gisela Filkorn macht in ihren Bürgersprechstunden immer wieder die Erfahrung, dass es eine Notlage am Wohnungsmarkt gibt.

Laut Frau Filkorn fehlen erschwingliche Mietwohnungen für Familien mit Kindern, Familien mit Migrationshintergrund und Familien, die Grundsicherung beziehen. Es bestehe großes Interesse an generationsübergreifenden Wohnprojekten. Die Idee, dass Alt und Jung unter einem Dach wohnen, sich helfen und stützen, sei ein echtes Zukunftsmodell.

Nach Meinung von Frau Weßelmann-Weingärtner, Vorstandsmitglied des Familienbeirats, belasten prekäre Arbeitsverhältnisse, wie befristete oder geringfügige Beschäftigungen, Zeit – und Leiharbeit besonders Familien. Es fehle an Geld und Planungssicherheit, Altersarmut wäre vorprogrammiert.

Ein großes Zukunftsthema bleibe auch die Kinderbetreuung, meint Frau Schützwohl, Mutter von 3 Kindern und Vorstandsmitglied. „In einer Zeit des Fachkräftemangels kann man nicht auf qualifizierte Frauen verzichten. Und viele sind darüber hinaus finanziell auf Arbeit und auf außerhäusliche Kinderbetreuung angewiesen.“ In Bamberg entstünden erfreulicherweise zwar viele neue Krippenplätze und 2013 würde die gesetzlich vorgeschriebene Marke von 35 % Versorgung von Kleinkindern bis 3 Jahren auch erreicht. Der Bedarf nehme nach ihrer Beobachtung jedoch ständig zu. Deshalb sei die Notfall- und Randzeitenbetreuung sowie die Betreuung durch Tagesmütter ständig zu optimieren.

Auch eine verlässliche Mittagsbetreuung an allen Schulen würde Familien bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. 

Herr Dr. Merdian, Vorsitzender des Familienbeirats und lange Zeit tätig am Lehrstuhl für Sozialpädagogik der Universität Bamberg, plädiert dafür, durch einen Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen auf Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen sowie ihrer Eltern frühzeitig reagieren zu können. Jugendsozialarbeiter sind bereits an allen Mittelschulen der Stadt eingesetzt; wichtig wäre die Ausweitung des Programms gerade auch auf die Grundschulen, um frühzeitig Gefährdungen und Problemlagen von Kindern und Familien zu erkennen und Hilfen einzuleiten. „Präventive Maßnahmen  und frühzeitige Hilfen vermeiden spätere Resozialisierungskosten. Grundsätzlich ist zu fordern, dass die Jugendsozialarbeit an Schulen finanziell langfristig abgesichert wird“, meint Dr. Merdian.

Auch Freitzeiteinrichtungen für Jugendliche in allen Stadtteilen wären sinnvoll und wünschenswert. Vorstandsmitglied Cornelia Gürth hält stadtteilbezogene Familienzentren mit einem niederschwelligen Hilfs- und Bildungsangebot für eine sehr gute Idee. Diese könnten Bürgerengagement bündeln, Nachbarschaftshilfe organisieren und generationsübergreifende Projekte anregen. Sie sollten für alle sozialen Schichten offen sein. Schon jetzt sei Bamberg auf einem sehr guten Weg, da in der nächsten Zeit zwei neue Familienstützpunkte beim AWO und SKF eröffnet würden.

„Neben der Verbesserung der kommunalen Rahmenbedingungen gilt es, die Familienpolitik in Stadt und Land bezüglich der Wahlpraxis in den Blick zu nehmen“ führt Vorstandsmitglied Frau Dr. Wasserscheid an.

Unsere Gesellschaft werde immer älter, so auch das Gros der Wähler. Dadurch seien die Interessen der älteren Bürger überrepräsentiert, die Interessen von Kindern und Jugendlichen kämen zu kurz. Wir sollten nicht nur die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre bedenken. Besonders effektiv wäre ein bundesweites Familienwahlrecht, das jeder Person von Geburt an Gewicht und Stimme gäbe, wobei die Eltern bei Minderjährigen Stellvertreterfunktion übernehmen würden.

Last but not least sei nicht nur der Staat, sondern auch jede Kommune aufgerufen, Schulden abzubauen, fordert Dr. Merdian. „Die junge Generation wird durch die demografischen Veränderungen in unserer Gesellschaft gewaltig belastet. Sie muss nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt, sondern auch die überproportionalen Soziallasten für die ältere Generation erwirtschaften. Es ist unzumutbar und nicht gerecht, dass sie darüber hinaus noch riesige Schuldenberge aus der Vergangenheit abtragen muss, deren Nutzen andere hatten“, führt Dr. Merdian aus.

Nach Meinung von Familienbeirat und Familienbeauftragter sei Bamberg insgesamt auf einem guten Weg zu einer zukunftsfähigen Kommune. Abschließend meint Frau Filkorn dazu: „Damit die Stadt ein beliebter Wohnort für Familien bleibt, sollten wir uns immer dafür interessieren, was Familien brauchen, um den Alltag gut zu bewältigen und sich hier rundum wohl zu fühlen. So wird die Stadt auch attraktiv für Familien, die sich hier neu ansiedeln wollen“.

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